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8 Instagram Marketing Tipps für Unternehmen

Die Zukunft steht im Zeichen von Instagram

Mit 800 Millionen monatlich aktiven Nutzern weltweit und davon 15 Millionen Nutzern allein in Deutschland – Tendenz steigend – ist über die vergangenen Jahre auf der Social Media Plattform Instagram ein konsistent starker Nutzerzuwachs zu verzeichnen. Vergleicht man dabei die Entwicklung des Kanals von 2013 bis heute, gewinnt Instagram vor allem in den letzten Jahren immer mehr an Popularität.

Anzahl der monatlich aktiven Instagram Nutzer weltweit in ausgewählten Monaten von Januar 2013 bis September 2017 (in Millionen). Quelle: statista.com, 2017.

Neben den sozialen Kanälen Xing, LinkedIn, Facebook und YouTube dient Instagram dabei auch als wichtiges Instrument für Bewerber. So wird die Plattform nicht nur für die Suche nach Stellenanzeigen genutzt, sondern hilft potentiellen Bewerbern dabei, sich ein Bild vom Unternehmen zu machen. Im Rahmen des Employer Brandings bietet Instagram demnach die Möglichkeit sich der Öffentlichkeit als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren.

Trotz der großen Beliebtheit des Kanals und des damit verbundenen Potentials der Plattform, ist jedoch bisher lediglich eine überschaubare Anzahl an Unternehmen auf Instagram aktiv. Und das, obwohl den Unternehmen analog zu Facebook auch auf Instagram spezielle Business Profile sowie Werbemöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Die Vorteile von Instagram

Täglich werden bei Instagram über 95 Millionen Fotos und Videos hochgeladen. Die Meisten von Nutzern und Influencern, aber auch von Unternehmen. Diese Fotos und Videos bilden den Kern der Plattform und dienen gleichzeitig als Mittel, um Aufmerksamkeit zu generieren.

Großes Potential von Instagram liegt demzufolge im Visual Storytelling. Neben Einblicken hinter die Kulissen des Unternehmens, können die Beiträge auch dazu genutzt werden, um das Markenimage zu formen, Produkte zu kommunizieren sowie Kampagnen zu verlängern.

Auch eignet sich Instagram dazu die Beziehung mit den Kunden zu stärken, indem sich das Unternehmen authentisch und nahe am Nutzer präsentiert.

In Abgrenzung zu anderen Social Media Plattformen wie etwa Facebook, Twitter oder Pinterest besticht Instagram vor allem dadurch, dass lediglich Bilder und keine Links geteilt werden können. Das Ergänzen von Links bei Fotos und Videos ist auf Instagram folglich, ungleich zu Pinterest, nicht möglich. Dies hat zur Folge, dass unmittelbarer Traffic über Instagram auf die eigene Website nicht realisiert werden kann. Eine Ausnahme stellen Instagram Anzeigen dar, welche mit einem Link versehen werden können und so die Möglichkeit haben, Traffic zu generieren.

Besonders gut eignet sich Instagram für die Ansprache einer jüngeren Zielgruppe. So ist die Plattform vor allem bei den 14- bis 29-jährigen Internetnutzern äußerst beliebt. Möchten Unternehmen diese Zielgruppe gezielt ansprechen, ist eine Präsenz auf Instagram künftig unausweichlich.

Werbung auf Instagram

Durch die steigende Nutzeranzahl auf Instagram bietet die Plattform auch für Unternehmen ein großes Potential Kunden zu erreichen. Besonders die zahlreichen Werbemöglichkeiten bilden dabei eine attraktive Option, das Instagram Publikum gezielt anzusprechen. Diesen Vorteil haben sich bisher bereits viele Unternehmen zu Eigen gemacht und platzieren ihre Werbebotschaften neben Facebook, YouTube oder Twitter, nun auch auf Instagram. Diese Entwicklung wird auch in der nachfolgenden Grafik deutlich. So haben sich die Umsätze von Instagram in Bezug auf mobile Werbung innerhalb von zwei Jahren mehr als vervierfacht.

Prognose der Umsätze von Instagram mit mobiler Werbung weltweit in den Jahren 2015 bis 2017 (in Milliarden US-Dollar). Quelle: statista.com, 2017.

Grundsätzlich werden auf der beliebten Foto-Sharing-App vier Haupttypen von Werbeanzeigen unterschieden. Neben Photo Ads und Video Ads lassen sich so auch Carousel Ads schalten. Primäre Zielsetzungen sind dabei neben Reichweite, Videoaufrufen und Conversions, Besucherverkehr und App-Installationen. Daneben sind Werbeanzeigen innerhalb der Instagram Stories möglich. Letztere werden dabei als gesponserter Content auf Instagram Stories platziert, wohingegen die ersten drei Ad-Typen im Feed der Nutzer gelistet werden.

Tipps für Ihr Business-Profil auf Instagram

Instagram zählt heutzutage zu einem der effektivsten Markenbildungsinstrumente im Social Web. Um die Zielgruppe plattformgerecht anzusprechen, bedarf es einer klaren und strukturierten Vorgehensweise. Für Ihren professionellen Markenauftritt auf der Plattform haben wir daher acht Tipps für Sie zusammengefasst:

  1. Definieren Sie eine Instagram-Strategie
    Vor der Aufsetzung des Kanals ist es empfehlenswert strategische Überlegungen durchzuführen. Zunächst sollten Sie dabei Ihre Ziele für Instagram festlegen. Diese sollten sich an Ihren Unternehmenszielen orientieren und SMART sein. Eine beispielhafte Zielsetzung wäre demnach die Steigerung der Markenbekanntheit. Auch das Festlegen der Postingfrequenz, der Veröffentlichungszeiten sowie der Content-Themen und Hashtags gehören in die Instagram-Strategie. Wichtig ist in diesem Schritt auch die Entwicklung von speziellen Instagram-Guidelines, in denen beispielshalber die Verantwortlichkeiten oder der Umgang mit kritischen Fan-Kommentaren festgehalten sind.
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  3. Setzen Sie auf visuellen Content
    Durch den starken Fokus auf visuellen Content innerhalb der Plattform, können Sie Instagram besonders gut dafür nutzen, um Ihr Unternehmen oder Ihre Marke auch visuell in Szene zu setzen. Jeglicher Content sollte dabei selbsterklärend und ohne Text verständlich sein. Zudem sollten Sie grundsätzlich festlegen, auf welche Inhalte sich Ihre Fotos und Videos konzentrieren. Dies kann von der reinen Produktdarstellung bis hin zur Präsentation der eigenen Firmenkultur und des eigenen Firmencharakters reichen. Oftmals hilft hier auch ein Blick in die Profile der Zielgruppe bzw. der Follower, um Trendthemen und beliebte Darstellungsformen zu identifizieren. Insights hieraus können dann auf die eigenen Inhalte übertragen werden. Die Gestaltung Ihres Instagram-Profils und des darauf gespielten Contents sollten sich stets an den Prinzipien Ihrer festgelegten Strategie orientieren. Zudem sollte ihr Content auch ohne Text leicht verständlich sein, da letzterer auf der Plattform lediglich eine untergeordnete Rolle spielt.
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  5. Posten Sie regelmäßig
    Wie bei allen sozialen Kanälen, gilt auch bei Instagram: Posten Sie regelmäßig, überfluten Sie den Newsfeed Ihrer Follower jedoch nicht mit Ihrem Content. So sollten Sie pro Woche im Schnitt 2-3 Posts spielen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung hängt dabei vor allem von Ihrer Zielgruppe ab. Studien belegen hier, dass Postings, die unter der Woche ausgespielt werden, mehr Interaktionen aufweisen. Ein individueller Test der Postingfrequenz und des Veröffentlichungszeitpunktes ist allerdings unerlässlich. Um einen guten Überblick über die Postings zu erhalten, ist es zudem sinnvoll einen Redaktionsplan aufzusetzen.
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  7. Denken Sie quadratisch und Mobile First
    Herzstück der Instagram Plattform stellen die geposteten Bilder und Videos dar. Um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen, gilt in der Bilderstellung für Instagram: Denken Sie quadratisch. Für Bilder mit einer bestmöglichen Auflösung ist daher eine Bildgröße von 1080px x 1080px empfehlenswert. Zudem sollten Sie bei der Auswahl Ihrer Bilder im Hinterkopf behalten, dass es sich bei Instagram um eine Mobile First Plattform handelt. Das ausgewählte Bildmaterial sollte folglich auch auf einem kleinen Bildschirm gut zur Geltung kommen. Bilder und Videos müssen aus diesem Grund stets qualitativ hochwertig und hochauflösend sein.
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  9. Nutzen Sie Hashtags
    Hashtags sind bei Instagram Pflicht. Hintergrund dafür ist die Tatsache, dass Instagram-Nutzer Inhalte oftmals über die Suchfunktion mittels Hashtags suchen. Nutzen Sie daher bei jedem Beitrag passende Hashtags, die für Ihr Unternehmen und das gespielte Thema relevant sind. Darüber hinaus sollte auch immer darauf geachtet werden, dass die Hashtags in der jeweiligen Landessprache der Nutzer bzw. in der für die Kommunikation definierten Sprache gewählt werden. Auch ist es ratsam Hashtags mit hoher Beliebtheit zu verwenden, da diese von Nutzern vermehrt gesucht werden. Hashtags mit einer (noch) geringen Beliebtheit sollten ebenfalls verwendet werden, da diese für die eigene Zielgruppe relevant sein könnten und es hier zudem leichter ist die eigenen Beiträge prominent zu platzieren.
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  11. Seien Sie stringent
    Egal, ob in Bezug auf Bilder oder Text – auch bei Instagram spielt Stringenz eine wichtige Rolle. Ziel dabei ist es einen hohen Wiedererkennungswert zu schaffen, sodass die Nutzer Beiträge direkt mit Ihnen als Absender assoziieren. Bezüglich der Bilder kann diese Wiedererkennung beispielshalber durch ein einheitliches Farbschema oder durch die Art und Weise der Produkt-Platzierung auf den Bildern selbst realisiert werden. Neben den Bildern sollte jedoch auch die Tonalität der Texte über alle Beiträge hinweg einheitlich sein. Stringenz gilt zudem auch beim Profilbild. Ein konsistentes Bild über alle Social Media Kanäle hinweg ist Pflicht, sodass Nutzer das Unternehmen auch auf unterschiedlichen Plattformen stets sofort wiedererkennen.
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  13. Bauen Sie Abonnenten auf
    Speziell zu Beginn ist die Kommunikation des Accounts auf ausgewählten Kanälen, wie etwa der eigenen Website oder anderen sozialen Netzwerken, entscheidend, um ein gewisses Grundrauschen zu etablieren und erste Interaktionen mit veröffentlichten Beiträgen zu erzielen. Besonders großes Potential stellt dabei die Verlängerung des Instagram Accounts über Facebook dar. Hier ist eine große Überschneidung von Instagram- und Facebook-Nutzern zu identifizieren, sodass erste Instagram-Follower schnell aufgebaut werden können. Wichtig ist dabei selbstverständlich, dass sich die Nutzer von den Inhalten auf Instagram angesprochen fühlen und, dass der Kanal auf individuellen Content setzt, der auf die Anforderungen von Instagram zugeschnitten ist.
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  15. Analysieren Sie
    Um Rückschlüsse aus bereits veröffentlichten Beiträgen ziehen zu können und die Entwicklung des Instagram Profils im Auge zu behalten, sollten Sie die Leistungen Ihrer Beiträge & Co. kontinuierlich analysieren und Optimierungsansätze ableiten. Hierfür steht Ihnen im Business Profil der Reites „Statistik“ zur Verfügung. Wichtige Kennzahlen, wie beispielshalber Reichweite und Anzahl der Abonnenten sind hier aufgeführt.

 

Beispiele für erfolgreiche Instagram Kanäle

Beispiele für erfolgreiche Instagram Business Accounts im B2C-Bereich:

Beispiel 1: dm-drogerie markt

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1,2 Millionen Abonnenten und 1.035 Beiträge – der Instagram Account von dm garantiert durch die große Anhängerschaft eine besonders hohe Reichweite. Der Drogeriemarkt postet im Schnitt jeden zweiten Tag. Fokus in den Beiträgen liegt dabei vor allem auf der Darstellung der eigenen Produkte. Großer Pluspunkt der Seite ist der hohe visuelle Standard der Bilder sowie die Interaktion des Unternehmens mit den Nutzern.

Beispiele für erfolgreiche Instagram Business Accounts im B2B-Bereich:

Beispiel 1: Mailchimp

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Auch der knallbunte Instagram-Kanal von Mailchimp mit 64.000 Abonnenten macht einfach nur Spaß. Die Marke schafft es dabei dieses positive Gefühl letztendlich auch auf das Produkt selbst zu übertragen. Dass, der Content auch bei den Followern gut ankommt, macht sich in den zahlreichen Interaktionen pro Post bemerkbar. Stringenz im Kanal und einen hohen Wiedererkennungswert schafft das Maskottchen der Marke, das in jeglicher Form und Farbe im Bild- und Videocontent abgebildet wird. Durch die Verwendung von beliebten Hashtags, wie etwa #tbt, kann die Marke zudem ihre Reichweite erhöhen und neue Follower gewinnen.

Zu beachten ist jedoch grundsätzlich, dass Instagram als reiner Branding Kanal gesehen werden muss, der lediglich indirekt die gesetzten Vertriebsziele unterstützt. Dadurch, dass, abgesehen von Instagram Werbeanzeigen, keine Möglichkeit gegeben ist die Beiträge um Links zu ergänzen, führen Postings folglich selten zu einer unmittelbaren Aktion bzw. zu einem Kauf.

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5 große Shitstorms – und was Sie daraus lernen können!

Wenn wir unsere Kunden zum Thema Social Media Marketing beraten, fällt immer wieder der Begriff „Shitstorm“ – ein digitaler Sturm der Entrüstung. Allein die Vorstellung daran weckt bei vielen Verantwortlichen gewisse Bauschschmerzen. Doch wie gefährlich ist das Schreckgespenst der Marketer und Unternehmenslenker eigentlich wirklich? Wir haben uns fünf große Shitstorms und deren tatsächliche Folgen angesehen.

Wichtig vorab: Der Begriff Shitstorm wird seit einiger Zeit inflationär gebraucht. Denn einzelne kritische Äußerungen auf der Pinnwand eines Sozialen Netzwerks sind noch kein Shirtstorm. Vielmehr ist ein Shitstorm „ein Prozess, wenn in kurzem Zeitraum eine subjektiv große Anzahl von kritischen Äußerungen getätigt wird, von denen sich zumindest ein Teil vom ursprünglichen Thema ablöst und stattdessen aggressiv, beleidigend, bedrohend oder anders attackierend geführt wird.“[1]

Solche Wellen der Empörung erzeugen zwar mitunter eine hohe mediale Aufmerksamkeit, sind aber selten existenziell oder schädigen nachhaltig die Reputation der Unternehmen. Somit sollten sie auch klar von klassischen Unternehmenskrisen differenziert werden.[2] Der Auslöser eines Shitstorms ist meist ein unterstelltes Fehlverhalten eines Unternehmens, das auf unterschiedlichen Wertvorstellungen oder Normen und nicht selten auch auf Banalitäten basiert.

Es gab einige bekannte Beispiele von Shitstorms in den letzten Jahren, die auch von klassischen Medien aufgegriffen wurden. Sie führten dazu, dass Marketingverantwortliche die Auswirkungen der digitalen Transformation sehr intensiv erlebten konnten. Einige waren dadurch selbst gefordert, mit kritischen Kunden oder Anspruchsgruppen in einen konstruktiven Dialog einzusteigen.

Exemplarisch für eine Vielzahl von Shitstorms betrachten wir fünf Beispiele aus den vergangenen Jahren:

1. KitKat

Abb. 1: Greenpeace-Video (Quelle: YouTube)
Abb. 1: Greenpeace-Video (Quelle: YouTube)

Ereignis: Das Unternehmen Nestlé war 2010 das Ziel der Greenpeace- Kampagne „Ask Nestlé to give rainforests a break“. Die Non-Profit-Organisation wollte dadurch gegen die Verwendung von Palmöl in Schokoriegeln der Marke KitKat demonstrieren. Der Vorwurf lautete: Für die Gewinnung von Palmöl werde der indonesische Regenwald abgeholzt und somit eines der letzten Rückzugsgebiete bedrohter Orang-Utans zerstört.

Sie erstellten eine Protestseite und produzierten mehrere drastische Videos, in denen sie zum Protest gegen Nestlé aufriefen. Das KitKat-Logo wurde durch ein „Killer“-Logo ersetzt und die Facebook Fanpage gekapert. Durch mehrere ungeschickte Reaktionen seitens Nestlé (Verbot von Videos und veränderten Logos aufgrund von Urheberrechtsverletzungen, Löschung kritischer Kommentare und der Facebookseite mit über 700.000 KitKat-Fans, etc.) wurden umso mehr Social Media-Nutzer weltweit mobilisiert und das Thema in die Massenmedien getragen („Streisand-Effekt“).

Auswirkung: Nachdem die Verantwortlichen bei Nestlé zunächst erfolglos versuchten, die Empörungswelle zu ignorieren, stellten sie sich der Kritik. Sie trennten sich von ihrem Palmöl-Lieferanten und legten einen umfangreichen Aktionsplan vor, wie zukünftig Rohstoffe aus Urwaldzerstörung in ihren Produkten ausgeschlossen werden können. Mittlerweile verfolgt das neugegründete internationale Nestlé Digital Acceleration Team (DAT) sehr genau, was auf Social Media-Plattformen über die einzelnen Nestlé-Marken veröffentlicht wird und setzt sich konstruktiv mit kritischen Kommentaren auseinander. Die KitKat-Facebook-Seite hat mittlerweile über 25 Mio. Likes, der Social Media-Anteil des Marketingbudgets beträgt laut Patrice Bula (Executive Vice President Nestlé S.A.) stolze zwölf Prozent.

2. Amazon

Abb. 2: ARD-Dokumentation (Quelle: YouTube)
Abb. 2: ARD-Dokumentation (Quelle: YouTube)

Ereignis: Anfang 2013 sorgte die ARD-Reportage „Ausgeliefert! Leiharbeiter bei Amazon“ für große Empörung in den sozialen Netzwerken. Darin wurden unter anderem die Arbeits- und Wohnbedingungen von Leiharbeitern, die Vertragskonditionen und die Verbindung des Onlinehändlers zu fragwürdigen Subunternehmen am Standort Bad Hersfeld kritisiert. Die Kritik wurde immer heftiger, je länger sich Amazon der Diskussion entzog. Auch die Politik, Verdi und internationale Medien griffen das Thema und die erhobenen Vorwürfe gegen den Onlinehändler auf.

Auswirkung: Unabhängig vom Rechtstreit mit dem Hessischen Rundfunk beendete Amazon daraufhin die Zusammenarbeit mit den Subunternehmern. Deutschland-Chef Ralf Kleber räumte später gegenüber der Süddeutschen Zeitung Mängel bei der Unterbringung von Mitarbeitern ein, die später behoben wurden. Er wies aber auch darauf hin, dass die Bezahlung bei Amazon – im Vergleich zu anderen Logistikunternehmen – mit einem Einstiegsgehalt von 9,30€ pro Stunde am oberen Ende liege. Viele Kunden hätte das Unternehmen durch die Reportage nicht verloren, da sie sich im Dialog meist doch dazu entschieden hätten, weiterhin bei Amazon zu bestellen.

3. Schlecker

Abb. 3: Der neue Schlecker-Claim (Quelle: horizont.net)
Abb. 3: Der neue Schlecker-Claim (Quelle: horizont.net)

Ereignis: „For You. Vor Ort.“ – Diesen Claim ließ sich Schlecker 2011 von der Düsseldorfer Agentur Grey entwickeln, um dem angestaubten Image der Drogeriemarktkette entgegenzuwirken. Im Netz sorgte die Kombination aus Englisch und Deutsch aber eher für Unverständnis. Bei einer Befragung des Marketing-Portals HORIZONT.NET fanden 77% der Teilnehmer den neuen Markenclaim “furchtbar“.  Auch Mitglieder des Vereins „Deutsche Sprachwelt“ monierten den neuen „denglischen“ Claim und schickten Schlecker als Protest eine Unterschriftensammlung. Schlecker reagierte mit einem Schreiben, in dem der Leiter für Unternehmenskommunikation betonte, „als Geisteswissenschaftler“ durchaus Verständnis für die Kritik des Vereins zu haben. Gleichzeitig erklärte er, dass die durchschnittlichen Schlecker-Kunden aber lediglich den „niedrigeren bis mittleren Bildungsniveaus“ zuzuordnen seien und sich der Drogeriemarkt deshalb für diese „optimale Parole“ entschieden hätte. Das Ergebnis: Große Mediale Aufmerksamkeit und Empörung auf allen Seiten.

Auswirkung: Schlecker wollte mit dem Claim ursprünglich die neue strategische Positionierung verdeutlichen: Emotionale Nähe zur nachbarschaftlichen Zielgruppe. Im Gegensatz zum Wettbewerber dm-Markt stand Schlecker aber für alles andere als Kundennähe und meldete einige Monate später Insolvenz an. Ausschlaggebend dafür war allerdings nicht der ausgelöste Shitstorm, sondern das verfolgte Geschäftsmodell und die grundsätzlich fehlende Kundenorientierung. Es handelte sich also um eine klassische Unternehmenskrise, die zum Scheitern des Unternehmens führte. Die Netzgemeinde reagierte mit Häme und griff den Claim zum Abschied nochmal auf: „For You. Vor Ort. Vorbei“.

4. Domino´s Pizza

Abb. 4: Entschuldigungsvideo Patrick Doyle (Quelle: YouTube)
Abb. 4: Entschuldigungsvideo P. Doyle (Quelle: YouTube)

Ereignis: Bei Domino´s Pizza waren Videoclips zweier Mitarbeiter der Auslöser einer Krise. Diese filmten 2009 in einer Filiale in North Carolina, wie sich einer der beiden unter anderem Käse in seine Nase steckte und später damit einen Sandwich präparierte. Beide Mitarbeiter trugen Domino´s-Bekleidung und belustigten sich darüber, dass so beim Lieferservice Essen zubereitet und ausgeliefert werde. Zu allem Überfluss luden sie das unappetitliche Video auch noch selbst bei YouTube hoch, wo es über Nacht weltweite Beachtung erhielt.

Auswirkung: Domino´s Pizza reagierte relativ schnell, ehrlich und glaubhaft, ohne das Ereignis herunter spielen zu wollen. Patrick Doyle, der heutige CEO, wandte sich keine 48 Stunden nachdem das Ereignis bekannt wurde mit einem eigenen YouTube-Video an die Öffentlichkeit und entschuldigte sich „zutiefst“ für das Verhalten der beiden Ex-Mitarbeiter. Er zeigte darin deutlich, wie sehr ihn dieser Vorfall entsetzte und bedankte sich bei der Community, durch die er auf das Treiben der Ex-Mitarbeiter aufmerksam gemacht worden war. Der Umgang mit dieser Krisensituation wurde von der Netzgemeinde und den Medien sehr positiv aufgenommen. Hierzulande war Domino´s Pizza bisher  übrigens kaum vertreten, hat aber im vergangenen Jahr den deutschen Marktführer Joey´s Pizza übernommen.

5. Vodafone

Abb. 5: Post auf Facebook (Quelle: Vodafone)
Abb. 5: Post auf Facebook (Quelle: Vodafone)

Ereignis: Auch Vodafone Deutschland erlebte 2012 einen handfesten Shitstorm. Eine Kundin beklagte sich auf Facebook über unerklärliche Kosten, die schlechte Erreichbarkeit des Kundencenters und ein unzureichendes Regulierungsangebot seitens Vodafone. Eine Vielzahl der Facebook-Nutzer zeigte Verständnis für den Unmut der jungen Kundin und solidarisierten sich über das Wochenende mit ihr. Über 70.000 Facebook-Nutzer drückten in der folgenden Woche durch ein „Gefällt mir“ ihre Zustimmung aus und weitere 7.000 Nutzer kommentierten den Post in der selben Zeit. Bis heute haben sich beide Kennzahlen nahezu verdoppelt.

Auswirkung: Vodafone hatte die Brisanz des Beitrags völlig unterschätzt und über das Wochenende auch kein Monitoring betrieben. Nachdem das ganze Ausmaß der Empörungswelle klar wurde und ein persönlicher Kontakt zur unzufriedenen Kundin hergestellt werden konnte, wandte sich der Pressesprecher mit versöhnlichen Worten an die Community. In diesem Post versicherte er, dass die negativen Kommentare von Vodafone sehr ernst genommen würden. Dann bat er die Community, auch weiterhin den Dialog über die öffentliche Facebook-Pinnwand zu suchen, um den Kundenservice nachhaltig zu verbessern. Einen Tag später konnte er verkünden, dass das Anliegen der Kundin in einem persönliches Gespräch zu ihrer Zufriedenheit geklärt wurde. Seit diesem Ereignis betreibt Vodafone intensives Monitoring und das Social Media-Team ist 24/7 erreichbar.

Fazit:

Ein Shitstorm ist für Unternehmen natürlich ein unangenehmes Ereignis. Wirklich nachhaltige negative Auswirkungen, die ausschließlich der digitalen Empörung zuzuordnen sind, lassen sich aber empirisch kaum nachweisen. Dies gilt selbst dann, wenn sich eine große Anzahl von Akteuren der Empörung anschließt.[3] So konnten beispielsweise auch Wiesenhof („Das System Wiesenhof“), Adidas (Tötung von Straßenhunden im EM-Ausrichterland Ukraine) oder Nespresso (Öko-Bilanz von Kaffeekapseln) trotz heftiger Empörungswellen ihre Marktpositionen weiter ausbauen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Marketingverantwortliche solche digitalen Empörungswellen weniger Bedeutung beimessen sollten. Ganz im Gegenteil. Aber eine gewisse Gelassenheit gehört eben auch dazu. Nicht jeder Internet-Nutzer, der sich empört zeigt, steht auch tatsächlich in einer relevanten Beziehung zum Unternehmen oder hat einen bedeutenden Einfluss auf andere. Auch zeigt die Erfahrung ein klares Delta zwischen den geäußerten Kommentaren (Schmähungen, Drohungen, Boykottaufrufe, Proteste, Kündigungsankündigungen, etc.) und den tatsächlich folgenden Handlungen.

Shitstorm als Chance!

Positiv formuliert beinhaltet ein Shitstorm auch immer die Chance, die Auslöser zu analysieren und einen Verbesserungsprozess anzustoßen. Schon das griechische Wort „krisis“ bezeichnet nicht eine hoffnungslose Situation, sondern einen Höhe- bzw. Wendepunkt. Genau dort setzt die marktorientierte Unternehmensführung an, da sie die Bedürfnisse und Motive der Kunden in den Mittelpunkt stellt. Deshalb erkennen auch immer mehr Marketingverantwortliche die große Bedeutung von Social Media-Monitoring, denken vom Markt her und identifizieren frühzeitig mögliche Problem- und Angriffspunkte. Dieser Chance sollte grundsätzlich eine höhere Bedeutung beigemessen werden als der diffusen Angst vor einem Shitstorm. Denn gerade im Umgang mit kritischen Akteuren erhalten Marketer wichtige Informationen, die sie für die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Verbesserung der Kundenzufriedenheit dringend benötigen, damit anschließend das Gesamtpaket der Markt- und Kundenorientierung stimmt. Es ist sogar belegt, dass unzufriedene Kunden, deren Beschwerde zur Zufriedenheit gelöst wurde, sich hinterher loyaler gegenüber dem Unternehmen zeigen.

Weitere Fragen zum Thema? Wir helfen gerne weiter!

 

 

Quellen und weiterführende Links:

[1] Sascha Lobo (2010): auf der Republica unter: http://saschalobo.com/2010/04/22/how-to-survive-a-shitstorm/

[2] Spiller, R. (2014): MHMK-Studie über Empörungswellen in sozialen Netzwerken unter: http://www.macromedia-fachhochschule.de

[3] Hierzu auch: Salzborn, Chr. (2015): „Phänomen Shitstorm – Herausforderung für die Onlinekrisenkommunikation von Unternehmen“, S. 228ff

Hillenbrand, T. (2010): Unternehmen in sozialen Netzwerken: Die Facebook-Falle.

B2B-Unternehmen in den sozialen Medien – Lohnt sich der Aufwand?

Beruflich oder privat: Wer Informationen sucht, tut das zuerst online. Auch im Business-Bereich bekommt man während eines Entscheidungsprozesses online am bequemsten einen Marktüberblick. Dafür werden vor allem Suchmaschinen und Corporate Websites zu Rate gezogen, also vorwiegend klassische Kanäle und nicht unbedingt die sozialen Medien. Doch Fach-Communities, Online-Foren und berufliche Netzwerke wie XING oder LinkedIn werden bei der Informationsbeschaffung immer interessanter.

Die Skepsis, die noch vor wenigen Jahren auf Seiten von B2B-Unternehmen gegenüber Social Media herrschte, lässt zwar langsam nach, doch noch immer sind nicht wenige Unternehmer der Meinung, dass die sozialen Medien in ihrem Marketingmix keine Rolle spielen müssen. „Unsere Kunden sind nicht in den sozialen Netzwerken“,  „Wir haben nicht genügend interessante Inhalte“, oder „Alles Wichtige steht doch schon auf unserer Website“ sind die häufigsten Einwände gegen das Einschlagen einer neuen Richtung im Marketing. Dabei ergeben sich durch die Nutzung der sozialen Medien auch für B2B-Unternehmen enorme Chancen.

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Social Media im B2B-Bereich: Was bringt das?

Werden die sozialen Medien richtig eingesetzt, können B2B-Unternehmen auf viele Arten profitieren:

  • Markenimage/Reputation:
    Aufbau und Pflege eines positiven Images, Stärkung der Reputation des Unternehmens
  • Auffindbarkeit, Lead-Generierung
    Bessere Auffindbarkeit durch besseres Suchmaschinen-Ranking → mehr Besucher auf der Firmenwebsite → Lead-Generierung
  • Kundenzufriedenheit, Kundenbindung
    Mehr zufriedene Kunden durch neue Formen des Kundenservice → engere Kundenbindung
  • Mitarbeiterrekrutierung
    Finden neuer Mitarbeiter und Fachkräfte, die in den sozialen Medien auf das Unternehmen aufmerksam wurden

Nicht zu vernachlässigen ist auch der Generationen-Aspekt: Entscheider und Einkäufer mögen momentan noch vermehrt auf klassische Kanäle setzen, doch die nächste Generation rückt gerade nach. Und die ist mit der Nutzung sozialer Medien aufgewachsen und findet es selbstverständlich, Dienstleister und Zulieferer auch nach ihrem Auftreten im Social Web zu bewerten.

Social Media erfolgreich einsetzen: Das sollte man beachten

„Also gut, überzeugt. Lasst uns eine Fanpage auf Facebook anlegen und dieses Social Media machen. Kann ja nicht so schwer sein.“

Ganz so einfach ist es leider nicht, denn: Ohne Strategie kein Erfolg. Bevor man einfach loslegt und Profile in sozialen Netzwerken anlegt, ohne zu wissen, wer diese womit befüllen soll, sollte man die nötigen Voraussetzungen schaffen und einen zielführenden Maßnahmenkatalog erstellen. Erst danach folgt die Umsetzung – und diese muss konsequent sein!

Dabei sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Social-Media-Einsatz im B2B-Bereich dieselben wie im B2C:

  • Erstellung einer Bestandsanalyse
    Wer spricht wo im Netz wie über das Unternehmen und die Konkurrenten? Wo hält sich die Zielgruppe auf?
  • Bereitstellung der nötigen personellen und finanziellen Ressourcen
    Nur so kann die Veröffentlichung von qualitativ hochwertigem Content und eine kontinuierliche Kommunikation sichergestellt werden.
  • Professioneller Umgang mit (negativem) Feedback
    Gar nicht oder zu spät beantwortete Kommentare und unangemessene Reaktionen auf Kritik sorgen für keinen guten Eindruck.
  • Definition klarer Ziele
    Diese sollten zu den Unternehmenszielen passen und erreichbar sein.
  • Einbeziehung von Mitarbeitern
    Die Aufklärung über die Vorteile von Social Media schafft Akzeptanz bei skeptischen Kollegen. Eine Social Media Guideline gibt den Mitarbeitern klare Anhaltspunkte und Nutzungsvorgaben für das korrekte Verhalten im Social Web.

B2B-Unternehmen haben eine weitere Herausforderung zu meistern, der sich B2C-Unternehmen in den meisten Fällen nicht stellen müssen:  mehrstufige und lange Entscheidungsprozesse. Während Entscheider abwägen, Informationen sammeln und sich mit verschiedenen Lieferanten auseinandersetzen, kommt es darauf an, zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Informationen am richtigen Ort zu liefern. Durch konstruktive und serviceorientierte Kommunikation in den sozialen Netzwerken schafft man außerdem eine Vertrauensbasis.

Social Media richtig nutzen: Handlungsempfehlungen

    • Bereitstellung von aktuellem und hochwertigem Content in sozialen Plattformen, Netzwerken, Foren und Diskussionsgruppen. Das informiert nicht nur die Nutzer und verbessert das Unternehmens-Image, sondern erzeugt auch Social Signals für Google und erhöht die Sichtbarkeit.
    • Um den Eindruck eines aktiven und patenten Unternehmens zu unterstreichen, sollten Inhalte kontinuierlich und regelmäßig veröffentlicht werden.
    • Komplexe, erklärungsbedürftige und wenig greifbare Produkte oder Dienstleistungen lassen sich sehr gut in anschaulichen Videos im eigenen YouTube-Kanal oder durch Success Stories im Firmenblog erklären und erlebbar machen.
  • Expertenbeiträge in bestehenden oder vom Unternehmen gegründeten XING-Gruppen oder in Themenblogs stellen die Kompetenz des Unternehmens heraus und etablieren es als Experte im jeweiligen Fachbereich.
  • Durch schnelles, freundliches und lösungsorientiertes Feedback auf Fragen oder negative Kritik in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook wird Kundennähe und Serviceorientierung kommuniziert.
  • Durch öffentlich einsehbare Kundenmeinungen und Bewertungen lassen sich die im B2B-Bereich oftmals rationalen Entscheidungen emotional untermauern.

Nachdem aus dem Interessent ein Kunde geworden ist, bieten sich die sozialen Medien vor allem für neue Wege des Kundenservice an und sollten genutzt werden, um auch Bestandskunden über Produktneuheiten und  aktuelle Forschungen zu informieren.

Fazit

Mit Social Media allein gewinnen auch B2B-Unternehmen keine Kunden. Wenn sie die sozialen Medien allerdings geschickt und mit einer dahinter stehenden Strategie in ihren Marketingmix einbauen und bei der Nutzung am Ball bleiben, kann Social Media eine sinnvolle und nutzenbringende Ergänzung zu den klassischen (Online-)Marketingbausteinen sein.

Doch was ist mit den anfangs erwähnten üblichen Einwänden?

„Unsere Kunden sind nicht in den sozialen Netzwerken.“ Doch, das sind sie. Sie müssen nur herausfinden, in welchen.

„Wir haben nicht genügend interessante Inhalte.“ Falsch. Gerade B2B-Unternehmen können Einkäufern die Entscheidung für ihr Unternehmen erleichtern, indem sie sie mit Produktinformationen, Success Stories, Anwendungstipps, Expertenbeiträgen usw. beeindrucken.

„Alles Wichtige steht doch schon auf unserer Website.“ Die muss sich der Interessent aber gezielt anschauen. Im Social Web erreichen sie ihn auch ohne dass er aktiv werden muss.

„Social Media primär als Chance zu begreifen, anstatt als ein loderndes, kommunikatives Risiko zu fürchten: Das ist der springende Punkt.“
(Christopher Schmidt von We Are Social im Interview mit dem Upload-Magazin)

Man muss übrigens nicht alles auf einmal machen. Wer angesichts des hohen Aufwands und der dabei entstehenden Kosten Bedenken hat, sollte erst einmal klein anfangen – am besten mit einem Kanal, der sich nach der Bestandsanalyse als am geeignetsten erwiesen hat. Auch Liebherr, Platz 1 im Social Media Report 2013, machte am Anfang kleine Schritte und baute seine Social-Media-Aktivitäten nach und nach weiter aus. Mittlerweile ist das Unternehmen das sichtbarste B2B-Unternehmen im Social Web. Im Interview mit dem UPLOAD Magazin erläutern Tobias Ilg, der zuständige Social-Media-Manager, und Christopher Schmidt von der betreuenden Agentur ihr Vorgehen.

Sie möchten jetzt auch loslegen und ihr Unternehmen ins Social Web bringen? Wir beraten Sie gern! > Kontakt aufnehmen

Andere Blogartikel zum Thema:

Megatrend Digitalisierung – Immer mehr Kanäle und Geräte

Neue Geräte, Plattformen und Dienstleistungen sprießen in enormer und kaum zu bremsender Geschwindigkeit aus dem Boden. Eine völlig neue Gerätekategorie bringt zum Beispiel die Quantified Self Bewegung zum Vorschein. Auch das Internet der Dinge schießt bisher analoge Geräte in die digitale Welt. Parallel dazu entstehen fast täglich neue Plattformen und Dienstleistungen, die Unternehmen als mögliche Bühne dienen. Andere Plattformen hingegen verschwinden von der Bildfläche oder driften in die Bedeutungslosigkeit. Wie können Unternehmen ihre Investitionen im digitalen Raum also rechtfertigen, wenn die Planbarkeit bzw. der damit einhergehende Anspruch auf ROI aufgrund dieser Entwicklungen kaum möglich ist?

Auch uns fällt ein Blick in die Zukunft nicht leicht, doch die folgenden drei Entwicklungen sind vielversprechend und bieten die nötige Flexibilität, um in dieser Schnelllebigkeit zu bestehen:

 

Responsive Webdesign

Adaptive vs. Responsive Webdesign

Responsive Webdesign ermöglicht Flexibilität und Zukunftssicherheit durch die auflösungsunabhängige Darstellung einer Webseite auf den zahlreichen und immer neuen Endgeräten. Wer bereit ist, in diese Technologie und Herangehensweise zu investieren, ist für die kommenden Jahre gut aufgestellt.

Wenn Sie mehr über Responsive Webdesign und seine Alternativen wissen möchte, empfehle ich den Beitrag „Richtig Mobil – Adaptive vs. Responsive Webdesign“.

 

Paid, Owned und Earned Media

Im letzten Beitrag dieser Serie ging es um die Herausforderung für Unternehmen, sich vom alteingesessenen Silodenken zu lösen.

ZitatDas Überdenken von Silos spielt auch in Bezug auf Paid, Owned und Earned Media eine zentrale Rolle.

Paid Media ist in diesem Dreigespann die älteste Disziplin. Man gibt den zahlreichen Media-Anbietern Geld, um seine Marke oder sein Produkt in Form von Werbung sichtbar zu machen. Früher primär durch klassische Werbung (TV, Radio, Print), heutzutage ergänzt um Online-Werbemaßnahmen wie Banner, Google Ads, Sponsoring oder Ähnliches. Paid Media verliert zunehmend an Wirksamkeit, ist aber nach wie vor wichtig, um ein gewisses Grundrauschen zu erzeugen. Je mehr man in Paid Media investiert, desto höher ist die Reichweite. Die damit verbundene Skalierbarkeit ist als ein USP von Paid Media anzusehen.

Owned Media bezeichnet die Marketing-Aktivitäten eines Unternehmens auf unternehmenseigenen (owned) Online-Kanälen wie Webseite, Facebook Fanpage, Blog etc. Das Unternehmen ist der Betreiber des Kanals und publiziert dort Inhalte. Owned Media kann sich aber auch offline, zum Beispiel in Form eines unternehmenseigenen Magazins, entfalten. Auch hier geht die Kommunikation vom Unternehmen aus.

Earned Media bezieht sich auf Kommunikation, die vom Kunden oder Interessenten ausgeht und somit nicht vom Unternehmen gesteuert wird (z. B. Beiträge in sozialen Netzwerken oder Produktempfehlungen auf Bewertungsportalen). Ziel der Unternehmen muss es sein, Impulse zu setzen, adäquat auf die durch den Kunden initiierte Kommunikation zu reagieren und diese im Rahmen der Möglichkeiten zu lenken. Der klare USP von Earned Media ist, dass sie im Vergleich zu Paid und Owned Media die höchste Glaubwürdigkeit genießt und somit die für Unternehmen wertvollste Kommunikation darstellt.

Eine solide und langfristig sichere Basis der Außenkommunikation bietet die Kombination dieser drei Disziplinen. Jede unterstützt Unternehmen dabei, den Konsumenten entlang seiner Customer Journey zu begleiten. Je nach Phase, in der sich der Konsument befindet, gewinnt oder verliert jede Disziplin an Bedeutung und Wirksamkeit. Die individuelle Gestaltung eines effizienten Zusammenspiels ist deshalb das zentrale Ziel der Kommunikationspolitik. Setzt man im Social Web beispielsweise nur auf die Facebook-Präsenz, macht man sich abhängig und geht ein unberechenbares Risiko ein – siehe hier oder hier.
Ergebnis dieses Zusammenspiels muss eine plattformunabhängige und dynamische Präsenz des Unternehmens im digitalen Raum darstellen, die sowohl vom Unternehmen selbst, als auch von seinen Kunden und anderen Stakeholdern getragen wird.

Zurück zum Silodenken. Paid und Owned Media lassen sich dem Marketing zuordnen, Earned Media hingegen ist von Konsumenten gesteuert und hat nicht nur Marketingrelevanz. Kunden üben Kritik an Produkten und sprechen damit die Produktentwicklung, Produktmanager und den Service an. Verfügbarkeiten und Lieferzeiten werden nachgefragt, was für Versand, Lager und Beschaffung von Bedeutung ist.
Earned Media interessiert sich nicht für Abteilungen, Bereiche oder Silos. Earned Media betrifft fast alle Unternehmensbereiche. Würde es Paid und Owned Media schaden, ähnlich übergreifend zu agieren? Wenn wir fordern, dass Paid, Owned und Earned Media eine Art Dreiklang bilden, liegt die Antwort auf der Hand.

 

Mut

Mut geht immer einher mit Chance und Risiko – das macht Unternehmertum aus. Um als innovatives und zeitgemäßes Unternehmen wahrgenommen zu werden, muss man diesen Mut auch zeigen. Es tauchen regelmäßig neue Plattformen auf, die es für sich zu entdecken gilt. Zwar werden Sie in den seltensten Fällen sofort einen Nutzen darin sehen – das Risiko ist also relativ hoch. Aber die Chance, auf eine Plattform zu setzen, die zukünftig größte Beliebtheit genießt und Ihnen somit völlig neue Möglichkeiten bietet, ihre Marke zu positionieren, ist nicht zu verachten.

Die zunehmende Anzahl von Geräten und Kanälen verlangt den Unternehmen entsprechende Flexibilität und Experimentierfreudigkeit ab. Nur so können Unternehmen dem Takt des Marktes sowie des Wettbewerbs standhalten. Das Silodenken gehört der Vergangenheit an und Abteilungen müssen gemeinsam als Organismus fungieren, nicht als Individuen im Wettbewerb.

Megatrend Digitalisierung – Social Media

Nachdem wir uns mit der Datenexplosion und Big Data beschäftigt haben, geht es heute um Social Media. Es gab Zeiten, in denen sich der direkte Dialog zwischen Unternehmen und deren Kundschaft auf den Vertriebs- oder auch Supportkontakt beschränkte. Weitere „Touchpoints“ stellten eine Seltenheit dar. Das Feedback der Kundschaft auf Produkte und Dienstleistungen hielt sich aufgrund der fehlenden und für den Kunden oft aufwendigen Möglichkeiten in Grenzen.

Ein Blick in das Hier und Jetzt stellt dieses Verhältnis auf den Kopf.

Der Kunde hat heutzutage unzählige Möglichkeiten, sein Feedback zu platzieren. Zum Leid der Unternehmen geschieht dies meist öffentlich, im schlimmsten Fall anonym und genießt in vielen Fällen ein breites Publikum. Den Aufwand haben nun die Unternehmen. Aufwand, um überhaupt Kenntnis über diese Äußerungen zu bekommen, aber auch Aufwand aufgrund der im Vergleich zu früher weitaus höheren Anzahl der Kontakte. Der Komfort des Kunden sich zu schnell und unkompliziert zu äußern trägt zu einem nicht unerheblichen Maße dazu bei: Innerhalb von Sekunden ist ein Tweet, Facebook-Post oder Foreneintrag verfasst und veröffentlicht – unabhängig von Standort oder Öffnungszeiten. Dabei sind die Kommentare nicht immer direkt an das Unternehmen gerichtet, selbst wenn der Absender eine Reaktion erwartet.

Es ist wahrlich keine einfache Aufgabe für Unternehmen, sich von dem Gedanken zu trennen, dass Kunden sich den gegebenen Strukturen des Unternehmens beugen müssten. Oder dass die vorhandenen Strukturen ja auch aufgrund von Kundenbedürfnissen so entstanden und daher richtig seien.

Social Media als Chance

Social Media zeigt ungefragt, was Kunden wirklich wollen und gibt ihnen gleichzeitig die notwendigen Werkzeuge an die Hand. Ihren Willen können sie so klar und reichweitenstark kundzutun. Es ist jedoch die Aufgabe und die Chance der Unternehmen, herauszufinden, welche Bedürfnisse deren Zielgruppen im digitalen Raum haben, und wie diese optimal bedient werden können. Dabei reicht es eben nicht, ein paar Community oder Social Media Manager einzustellen. Man muss sich Gedanken über eine sinnvolle Integration in das Unternehmen machen. Dies bedeutet natürlich auch das Infragestellen bestehender Strukturen und Prozesse. Vor allem das häufig immer noch anzutreffende Silodenken verhindert, dass Social Media als nützliches Instrument für die Erreichung der Unternehmensziele anerkannt wird.

Viele Unternehmen – zugegebenermaßen primär aus den USA – sehen diese Herausforderung nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance. Sie differenzieren sich im Markt, eröffnen neue Vertriebswege und optimieren Kostenstrukturen. Aber auch in Deutschland gibt es zahlreiche Beispiele, die Social Media als Chance sehen.  Telekom, Schwarzkopf, OTTO oder die Deutsche Bahn, aber auch kleinere Unternehmen wie die Papageien Bäckerei gehen hier mit gutem Beispiel voran.

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Doch warum gestaltet sich die Akzeptanz und Integration von Social Media in der Breite als so schwierig und langwierig? Grund dafür ist, dass eine erfolgreiche Integration von Social Media grundsätzliches Umdenken erfordert. Fragen wie „Wie passen Facebook, Twitter oder Corporate Blog zur Unternehmenskultur?“ oder „Wie können wir die Methoden der traditionellen Unternehmenskommunikation im Social Web adaptieren?“ werden gestellt, zeugen aber von einer grundsätzlich falschen Denkweise. Die Fragen müssten eher lauten: „Ist meine Unternehmenskultur noch zeitgemäß?“ oder „Wie können wir unsere Marke und ihr Image mit den im Social Web verfügbaren Möglichkeiten repräsentieren?“ oder sich zumindest kritisch mit der aktuellen Unternehmenssituation auseinandersetzen.

Das „gläserne Unternehmen“

Wo man früher vom gläsernen Menschen gesprochen hat, muss man heutzutage vom gläsernen Unternehmen sprechen: Es ist einfacher denn je, als Verbraucher Informationen über ein Unternehmen herauszufinden. Sei es über die Qualität eines Produktes oder Hintergrundinformationen über Zulieferer und Arbeitsbedingungen. Kleine Fehltritte von Unternehmen, von denen früher bis auf die Beteiligten niemand Kenntnis genommen hat, können heutzutage zum PR-Desaster mutieren. Da wir alle wissen, dass Fehler passieren, könnte man also von einer grob fahrlässigen Handlung sprechen, wenn man sich nicht mit Social Media beschäftigt.

Social Media ist also keine Aufgabe des Marketings oder der Pressemitteilung. Wer sich ernsthaft mit Social Media beschäftigen und davon profitieren möchte, muss Social Media als abteilungsübergreifende Herausforderung und Aufgabe betrachten. Diese gilt es gemeinsam zu bearbeiten. Denn: Social Media, bzw. die Menschen dahinter denken nicht in Abteilungen. Es gilt die einzelnen Touchpoints entlang der Customer Journey zu betrachten, um Ziele und Strategien abzuleiten und anschließend bestehende Prozesse zu optimieren, anzupassen oder neue aufzusetzen. Die sich daraus ergebenden Fragen können vielseitig und deren Antworten einschneidend sein: Welche Ziele möchten wir als Unternehmen im Social Web verfolgen? Müssen wir unsere Kommunikationspolitik anpassen? Ist eine One-Voice-Politik noch zeitgemäß? Wie transparent müssen wir unser unternehmerisches Handeln gestalten? …

Fazit

Authentizität und Glaubwürdigkeit sind die zwei vermutlich wichtigsten Attribute, die sich Unternehmen auf die Fahne schreiben sollten, wenn sie erfolgreich im Social Web agieren möchten. Mit diesem Anspruch sollten Sie sich der Chance Social Media stellen. Betrachten Sie Social Media nicht als Projekt, sondern als zu integrierende, dauerhafte Aufgabe in Ihren Unternehmensalltag. Intern, wie auch extern. Wenn Sie jetzt sagen: „Das ist ja nichts Neues“, dann gebe ich Ihnen Recht. Vermutlich kennen Sie das alles schon und Social Media ist ein Teil Ihres Unternehmens. Falls nicht, frage ich Sie: Warum haben Sie die Konsequenzen noch nicht gezogen?