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Daniels R(o)ad Trip: Alle Wege führen nach…

…San Vito!

Unserer hat uns wider Erwarten sogar das Meer sehen lassen, was eigentlich nicht geplant war. Seit Ellas Blog-Eintrag sind ja nun schon wieder einige Tage vergangen und ja, wir sind inzwischen schon wieder zu Hause. Und das wohlauf! Aber wir möchten uns natürlich nicht mit einem Fazit aus dem Blog verabschieden, sondern erst einmal die letzten Tage rückblickend betrachten, damit ihr auch alle wisst, wie es uns noch ergangen ist.

Ella hatte sich ja aus Porlazzo gemeldet. Leider hielt auch dort das schlechte Wetter Einzug und fand seine Krönung dann Freitags. Bis auf zwei Stunden am Nachmittag nur Regen. Am Abend war dann alles zu spät. Zusammengekauert unter einem Vordach von Dauercampern, die nicht da waren, beobachten wir, wie aus Rinnsalen Flüsse werden und aus Pfützen Seen. Unglaublich. Nach einer Weile haben wir dann die Notbremse gezogen und uns ein trockenes Quartier für die Nacht gesucht. Das Zelt musste eine Nacht ohne uns verbringen.

Samstags dann die Flucht

In zwei Schritten wollten wir nach Pisa. Ein Tag mit dem Rad, den zweiten mit dem Zug. Die 30 Kilometer bis kurz vor Chiasso waren richtig schön – immer am Lago di Lugano entlang. Wirklich eine herrliche Gegend, die wir bestimmt mal wieder sehen werden. Zur Mittagszeit waren wir dann schon da und gerade als wir uns am Campingplatz anmelden spürten wir die ersten Regentropfen auf unserer Haut, um 5 Minuten später im heftigen Regen zu stehen. In dieser Seenlandschaft können wir unser Zelt nicht aufstellen. To cut a long story short: Wir haben es doch gemacht. Abends schien zur Versöhnung sogar die Sonne und unsere Rettung war auch auf dem Weg.

Wir hatten die Faxen nun nämlich so richtig dicke und wollten auf dem schnellsten Weg in den Süden. Keine Lust auf irgendwelche Mätzchen mit den Zügen, die uns nach Pisa bringen sollten und bestimmt auch noch Überraschungen für uns parat gehabt hätten. Und so entschieden wir uns für den bequemsten Weg – und fuhren mit dem Auto. Der Rest der Hochzeitsgesellschaft war nämlich nun 3 Wochen nach uns auch auf dem Weg in die Toskana und unser Shuttle holte uns einfach ab. Um uns 4 Stunden später in Marina di Pisa am Meer wieder auszuspucken. Bei herrlichem Sonnenschein und knapp 30°C.

Für die nächsten 1 1/2 Tage fühlten wir uns dann wie im Sommerurlaub: In der Nase den Duft von Kiefern, Meeresrauschen in den Ohren – La Dolce Vita. Ellas erster Kontakt mit dem Meer war gleich ein nasser. Eine Welle zog ihr die Beinchen weg, so dass sie gleich patschnass in den Fluten saß. Sie und das Meer wurden vielleicht aufgrund dessen keine dicke Freunde mehr. Sie fand den riesigen beheizten Sandkasten viel toller.

Vor uns lagen dann noch die letzten beiden Etappen auf dem Drahtesel und bei vielen Dingen sagten wir uns schon: „Hey, das ist das letzte Mal auf unserem Trip, dass wir radeln.“ Das Ende stand bedauerlicherweise wirklich schon vor der Tür.

Bis zu unserer Ankunft wurde es noch im wahrsten Sinne des Wortes ein heißer Ritt

Wir sind fast froh, dass uns diese hohen Temperaturen und der wolkenlose Himmel nicht die ganze Zeit begleitet haben. Das ist kein Zuckerschlecken, das können wir euch sagen. Aber wir haben schließlich die Sonne gesucht, also ist Rumlamentieren nicht angebracht.

Vorletzte Etappe: von Marina di Pisa über Pisa selbst nach Montalpino. Rund 55 km. Bei den äußeren Bedingungen schon nicht ohne. Kalkuliert war natürlich nicht, dass wir uns innerhalb Pisas geschätzte 80 Mal im Kreis bewegen werden. Wir haben aus der Stadt schlicht nicht mehr rausgefunden. Zum Andenken: 20 km extra auf dem Tacho. Macht 75 km, die an sich – bis auf die erwähnten 20 – echt schön zu fahren waren. Zwar auf der Straße, aber dennoch schön. Die Toskana ist schon ein nettes Fleckchen, das muss man sagen. Am Etappenende waren wir dann echt total erledigt und da wir am nächsten Tag auf die anderen treffen sollten, gehen wir abends zum Abschluss schön Essen.

Mit komischen Gefühlen packen wir am Morgen unsere Siebensachen in die Packtaschen und satteln zum letzten Mal auf. Zum einen freuen wir uns auf die Anderen – zum anderen haben wir aber doch auch einen Narren an der Radreiserei gefressen und finden es sehr schade, dass die letzten Kilometer anstehen.

Die letzte Etappe von 40 km unseres R(o)ad-Trips verlangt uns noch einmal alles ab. Und zwar auf den letzten 2,5 km. Schlag 12 Uhr biegen wir rechts ab und wissen: Bis zum Ziel ist es nicht mehr weit – aber es geht nur noch bergauf! Brütende Hitze. Schwitzende Leiber. Und eine Ella, die keinen Bock mehr hat. Oder es zumindest vorgibt. Mit Keksen bekommen wir sie ruhig. Wir kennen ja alle ihre Masche…

Und dann sind wir angekommen – nach 828,8 km

Und alle so: Ihr habt es echt durchgezogen, ihr Verrückten. Wahnsinn! Die Freude ist bei allen groß. Und der Respekt auch. Wir selbst sind uns unserer Leistung noch nicht so recht bewusst.

Die verbleibenden Tage waren dann geprägt vom Feiern unter der Sonne und den Sternen der Toskana. Ein wunderschönes Weingut, das jegliches positive toskanische Klischee erfüllt, stellt den krönenden Abschluss unserer ereignisreichen Reise dar. An den Alltag, der bald wieder einkehren wird möchten wir noch gar nicht so recht denken. Aber nun heißt es erst einmal, die vielen tollen Erlebnisse der letzten Wochen sacken lassen. Und erholen. Denn dazu sind wir irgendwie nicht so recht gekommen.

Wir melden uns in den nächsten Tagen noch einmal mit einem letzten Bericht, wenn wir alles haben Revue passieren lassen. Dann auch mit ein paar mehr Bildern.

Grazie e ciao

Die Pedaleure