Daniels R(o)ad Trip: Das Fahrerfeld verabschiedet sich von seinen Verfolgern

So, Freunde der Sonne. Wir hatten es ja angekündigt: ein letzter Bericht von unserem R(o)ad Trip, der das Erlebte mit ein paar Tagen Abstand noch einmal Revue passieren lässt.

Ich hatte ja mal geschrieben, dass ich unterwegs diverse Ideen für Blogeinträge hatte, die es leider mangels Zeit und Energie nie bis in den Blog geschafft haben. Diese Ideen habe ich nun aus den Satteltaschen gekramt und für das Schlusswort modifiziert aufbereitet – zielgruppenspezifisch.

For Marketeers:

Unser USP (also unser Alleinstellungsmerkmal) war recht schnell definiert. Und es war nicht nur ein USP, der uns von Pauschaltouristen positiv abgegrenzt hat.

– wir reisen mit dem Rad

– wir reisen mit dem Rad nach Italien

– wir reisen mit dem Rad nach Italien und zelten unterwegs

– und das alles mit einer 1 1/2 jährigen Tochter

Die Lead-Generierung (also die Kontaktknüpfung) war bedingt durch diese USPs recht einfach. Hier ein paar Testimonials:

„Habt ihr echt kein Auto mit?“

„Und das macht die Kleine mit?“ (oft gehört)

„Deutscher Zirkus.“ (eine Ungarin)

„Toll.“

„Stark. So was haben wir nie gemacht.“

„Kann ich noch mit hinten reinsitzen?“ (ein Rentner)

„Respekt. Gleich seid ihr oben.“ (am Albaufstieg)

„Ihr seid ja verrückt / cool.“ (je nach Altersstufe)

Der Mehrwert und Nutzen unseres R(o)ad Trips liegt für uns natürlich hauptsächlich in der gemeinsam verbrachten Zeit. Vier Wochen nahezu nonstop zusammen – immer an der frischen Luft und irre viel gesehen und erlebt. Und mit dem Rad weitestgehend komplett aus eigener Muskelkraft nach Italien zu fahren ist auch ein ziemlich gutes Gefühl.

Für Sportbegeisterte:

Spannend war sie – die erstmalig ausgetragene Tour Stuttgart – San Vito. Das Peloton war unterschiedlichsten Strapazen ausgesetzt: Berge, schlechtes Wetter, unschöne Streckenabschnitte, radelnde Rentner … und das verteilt auf 828,8 km.

Bereits früh zeichnete sich ab, dass es ein enges Kopf an Kopf Rennen zwischen den beiden Teilnehmern werden würde. Unsere rasende Reporterin Ella klebte den beiden stets an der Felge und war fasziniert von der Kraft und Ausdauer der beiden sowie dem täglichen Schlagabtausch. Vom Start weg war fast klar, dass sich das grüne Trikot des besten Sprinters Daniel sichern würde. Das Frühjahrstraining rund um Stuttgart erwies sich schnell als ideale Vorbereitung und er verwies den Rest des Feldes ein ums andere Mal in die Schranken.

Anders beim gepunkteten Bergtrikot. Die nicht gerade als Bergziege bekannte Anna entpuppte sich hier als echte Überraschung und ließ die Konkurrenz teilweise bei längeren Anstiegen kurz vor dem Gipfel regelrecht stehen. Am allerletzten Berg hoch nach San Vito hatte Daniel jedoch die weit besseren Beine und sicherte sich in der Hitze der Toskana die letzte Bergwertung. Im Gesamtklassement reichte es jedoch nicht ganz und der Favorit musste sich jemandem geschlagen geben, den vor dem Rennen keiner auf der Liste hatte: Anna, die nun voller Stolz das gepunktete Trikot trägt.

Kommen wir nun zum Maillot Jaune, dem Gelben Trikot: auch hier ging es heiß her. Die Etappensiege holte sich mal die eine, mal der andere. Doch nach 3 1/2 Wochen fuhr das Feld zum Erstaunen aller geschlossen und mit der gleichen Gesamtzeit über die Ziellinie und wir haben somit – ach, wie langweilig – zwei Gewinner: Anna und Daniel. Das Ganze riecht schwer nach Teamabsprache und da zudem der Verdacht auf die Ausschüttung von Endorphinen und Serotonin besteht äußert sich Ella skeptisch, ob es je zu einer Neuauflage dieses Radrennens kommen wird.

Gesamtstreckenlänge: 828,8 km

Gesamtzeit: 47:58 Stunden

Durchschnittsgeschwindigkeit: 17,27 Kmh

Max. Geschwindigkeit: 48,03 Kmh

Etappen: 16

Durchschnittliche Etappenlänge: 51,8 km

Für Nachahmer:

Ja, ihr könnt das auch. Nur Mut.

Für Naturliebhaber:

Ein Highlight direkt vor der Haustür: die Schwäbische Alb – einer der schönsten Landstriche, den wir durchquert haben. Und so schön wenig los da. Da kann sich der Bodensee eine Scheibe von abschneiden. Seine Ruhe hat man auch im Appenzeller und Toggenburger Land. Klassisch schöne Schweizer Alpenlandschaft mit Kuhgebimmel – was will man mehr. Auch schön: die tolle Kulisse am oberen Teil des Lago di Lugano. Wobei man dort motorisiert besser aufgehoben ist, wenn man nicht gerade Bergspezialist ist. Das Meer: immer wieder ein tolles Erlebnis. Zum Abschluss die Toskana, deren Schönheit sich uns jedoch erst auf den zweiten Blick gezeigt hat. Aber dann dafür richtig.

Für pensionierte Radler am Bodensee

Leute, ihr seid nicht alleine auf dem Radweg da unten unterwegs. Wir und jeder andere würden es begrüßen, wenn ihr nicht ständig parallel Rad fahren würdet. Mit 8 Kmh. Ihr habt Glück, dass man euch trotz eurer Tarnfarben sieht und rechtzeitig bremsen kann.

Für Kinder:

Ellas Expertentipp: geht in eurem eigenen Interesse euren Eltern nicht zu früh am Tag auf den Zeiger. Komfortabler werdet ihr wohl nicht mehr rumkommen in eurem Leben. Mama und Papa werden es euch vielleicht sogar mit Süßkram am Nachmittag danken, wenn ihr euch in der ersten Tageshälfte pflegeleicht verhaltet. Auf euch warten jede Menge Abenteuer, da ihr fast jeden Tag woanders seid. Spitzen Sache so ein Trip – hoffentlich habt ihr auch Eltern, die so was mit euch durchziehen.

Für Wasserliebhaber

Neckar, Aileswasen, Erms, Glemser Stausee, Schweiß, Lauchert, Donau, Bodensee, Durstlöscher, Nieselregen, Walensee, starker Regen, Linth, Nebel, Wolken, Urner See, Reuss, Ticino, Lago di Lugano, Rinnsaale, prasselnder Regen, … wie aus Kübeln, Mittelmeer, Arno, Swimming Pool … Vino.

Für den Berg

Du hast uns gerufen – erst leise, dann immer lauter – also haben wir uns aufgemacht. Und als wir dann bei dir waren hast du vor Freude geweint. Du warst so von Sinnen vor Glück, dass dich ein Schleier umgab, der deine Schönheit nur teilweise preisgab. Gefallen hat es uns trotzdem bei dir – wir werden dich wieder besuchen. Vielleicht bist du dann besser drauf.

Für euch alle

Danke. Für das Interesse. Die Unterstützung. Das Ermöglichen. Das Zweifeln. Die Motivation.

Grazie mille e ciao – wir hatten eine tolle Zeit

Anna, Ella und Daniel

 

3 Gedanken zu „Daniels R(o)ad Trip: Das Fahrerfeld verabschiedet sich von seinen Verfolgern“

  1. Wow, du hast die Reise zielgruppenspezifisch aufgearbeitet – da freut sich die Marketingfraktion! Die Bilder sind wirklich schön und lassen erahnen, was ihr alles gesehen und erlebt habt. Auch wenn mehr Sonnen- als Regenbilder dabei sind ;) Es war spannend euch ein wenig auf Eurem Weg zu begleiten und wir sind alle gespannt auf Eure nächste Reise!

  2. Was steht beim nächsten Kind an? ;-)
    Danke für die tolle und unterhaltsame Berichterstattung.
    Sebastian

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