KI im Redaktionsalltag:

Wo sie wirklich hilft – und wo nicht
KI
Contenterstellung
Contentpflege
Content Management System
04
Febr. 2026

KI ist allgegenwärtig. Trotzdem sieht der Redaktionsalltag in vielen B2B-Unternehmen erstaunlich analog aus: Inhalte entstehen in Excel-Listen, Teaser werden kopiert, Übersetzungen manuell koordiniert, Metadaten spät oder gar nicht gepflegt. Während anderswo über vollautomatisierte Content-Produktion gesprochen wird, bleibt die Realität kleinteilig.

Gerade für Marketingverantwortliche im Mittelstand lohnt sich deshalb ein nüchterner Blick auf KI: nicht als Ersatz für Redaktionsteams, sondern als Werkzeug, das Routinen abnimmt, Prozesse beschleunigt und Qualität absichert – direkt dort, wo Inhalte ohnehin entstehen: im CMS. 

Weg vom KI-Hype, hin zu funktionierenden Workflows

Die Vorstellung, KI könne ganze Redaktionen ersetzen, hält sich hartnäckig. In der Praxis zeigt sich ein anderes Bild. KI ist stark bei wiederkehrenden Aufgaben, klaren Regeln und strukturierten Mustern. Relevanzbewertung, Einordnung und inhaltliche Verantwortung bleiben menschliche Aufgaben. 

Der entscheidende Perspektivwechsel lautet daher: 

KI entlastet – sie entscheidet nicht. 

Typische Einsatzfelder im Redaktionsalltag sind heute: 

  • Vorschläge für Metadaten, Tags und Taxonomien 
  • Übersetzungen und Lokalisierung 
  • Varianten für Teaser, Headlines oder Newsletter-Betreffzeilen 
  • Zusammenfassungen und Strukturierung bestehender Inhalte 

In Systemen wie Drupal oder TYPO3 lassen sich solche Funktionen direkt integrieren. Statt zusätzlicher Tools tauchen im Backend gezielte Funktionen auf – etwa für Teaser- oder Tag-Vorschläge. Die bestehenden Workflows bleiben erhalten, sie werden lediglich ergänzt. 

Der Effekt: Teams produzieren mit gleicher Besetzung mehr verwertbaren Content, Inhalte sind konsistenter aufbereitet, und Kampagnen lassen sich schneller ausspielen. Entscheidend ist dabei ein fokussierter Einstieg: lieber wenige, klar definierte Anwendungsfälle als ein diffuser „KI überall“-Ansatz. 

Entlastung dort, wo sie im Alltag wirklich zählt

Ein Großteil redaktioneller Arbeit bleibt nach außen unsichtbar: Tagging, Kategorisierung, interne Verlinkungen, Pflichtfelder, saubere Struktur. Genau hier entstehen Verzögerungen – und genau hier kann KI sinnvoll unterstützen. 

Beim automatischen Tagging analysiert KI bestehende Inhalte und schlägt passende Kategorien und Schlagworte vor. Die Redaktion prüft, passt an oder verwirft. Das spart Zeit und sorgt gleichzeitig für mehr Konsistenz, weil weniger vergessen wird. 

Ähnlich bei der Strukturierung von Texten. Aus vorhandenen Inhalten lassen sich ableiten: 

  • kurze, prägnante Teaser 
  • sinnvolle Zwischenüberschriften 
  • Auszüge für Übersichtsseiten 
  • einfache FAQ-Formate 
     

Gerade bei umfangreichen Inhalten wie Whitepapern, Studien oder Produktdokumentationen hilft das enorm. Aus einem Ausgangsdokument entstehen mehrere nutzbare Content-Bausteine, ohne jedes Format neu denken zu müssen. 

Wichtig dabei: Die KI arbeitet mit den bestehenden Strukturen im CMS. Sie greift auf vorhandene Taxonomien und Vorgaben zurück, statt eigene Kategorien zu erzeugen. So entsteht keine Parallelwelt, sondern eine echte Unterstützung im System. 

Konsistenz statt Flickenteppich

Ein häufiges Problem im B2B-Content ist mangelnde Einheitlichkeit: gleiche Themen, unterschiedliche Begriffe, variierende Tonalität. Wenn KI-Tools auf definierte Strukturen und sprachliche Leitplanken zugreifen, fällt es leichter, Inhalte über Kanäle hinweg aufeinander abzustimmen. 

Das zeigt sich ganz konkret: 

  • Pflichtfelder wie Metatitel oder Teaser sind vollständiger ausgefüllt 
  • Begriffe werden einheitlicher verwendet 
  • Inhalte lassen sich besser clustern und intern verlinken 
     

Die Entlastung ist messbar: weniger Nachpflege, schnellere Freigaben, stabilere Qualität – ohne dass redaktionelle Entscheidungen automatisiert werden. 

KI als Sparringspartner für Qualität und Steuerung

Neben Routinen kann KI auch bei der Qualitätssicherung unterstützen. Nicht als Bewertung, sondern als Hinweisgeber. Im CMS lassen sich Prüfungen integrieren, etwa zu: 

  • Lesbarkeit und Textstruktur 
  • Länge von Absätzen und Überschriften 
  • Abdeckung definierter Keywords 
  • Einhaltung sprachlicher Vorgaben 
     

Die Redaktion entscheidet, welche Hinweise relevant sind. Die inhaltliche Hoheit bleibt bewusst im Team. 

Spannend wird es, wenn Leistungsdaten hinzukommen. Über Anbindungen an Analytics- oder CRM-Systeme lassen sich Muster sichtbar machen: Welche Themen funktionieren bei welchen Zielgruppen? Welche Formate werden gelesen, welche nur überflogen? Welche Inhalte tragen zur Lead-Qualität bei? 

Statt reiner Zahlen entstehen verständliche Hinweise, die Planung und Priorisierung erleichtern. Entscheidungen basieren weniger auf Bauchgefühl und stärker auf nachvollziehbaren Zusammenhängen. 

Übersetzung, Recycling und Onboarding – pragmatische Helfer

Form Viele B2B-Teams arbeiten international, ohne eigene Lokalisierungsabteilung. CMS wie Drupal oder TYPO3 bieten hier eine solide Basis, um KI-gestützte Übersetzungen sinnvoll einzubinden. Eine hochwertige Grundübersetzung entsteht direkt im System, der Feinschliff bleibt bei Muttersprachlern. Der größte Zeitfresser entfällt, die Qualität bleibt steuerbar. 

Auch Content-Recycling lässt sich deutlich vereinfachen. Aus Fachartikeln entstehen Newsletter-Snippets, Social-Posts oder Einstiege für Webinare. Aus Webinaren wiederum lassen sich FAQs oder kurze How-to-Texte ableiten. Vorhandene Inhalte werden besser genutzt, ohne zusätzlichen Koordinationsaufwand. 

Ein oft unterschätzter Aspekt ist das Onboarding. Inline-Hinweise im CMS können erklären, was in einem Feld erwartet wird oder wie ein guter Teaser aufgebaut ist. Neue Teammitglieder finden schneller ins System, und gleichzeitig wird eine gewisse Mindestqualität abgesichert. 

Klein anfangen, sinnvoll ausbauen

Der Einstieg in KI-unterstützte Redaktionsprozesse muss kein Großprojekt sein. Im Gegenteil: Kleine, klar abgegrenzte Use Cases zeigen schneller Wirkung. 

Geeignete Startpunkte sind zum Beispiel: 

  • Teaser- und Überschriftenvorschläge für Blogartikel 
  • Grundübersetzungen für Kernsprachen 
  • Tagging-Vorschläge für bestehende Inhalte 
     

Wichtig ist, diese Anwendungsfälle im bestehenden CMS zu pilotieren. So bleibt die Arbeitsumgebung vertraut, und die Akzeptanz im Team steigt. Transparenz spielt dabei eine zentrale Rolle: Es geht um Entlastung, nicht um Kontrolle oder Ersatz. 

Erst auf Basis konkreter Erfahrungen lohnt sich der nächste Schritt – etwa Qualitätssicherung oder KPI-Feedback. Die Leitlinie bleibt dabei konstant: Technologie folgt dem Alltag, nicht umgekehrt. 

Fazit: KI wirkt dort, wo sie leise bleibt

Während viele auf den großen KI-Umbruch warten, profitieren Redaktionen schon heute an sehr konkreten Stellen: weniger Fleißarbeit, mehr Konsistenz, bessere Entscheidungsgrundlagen. 

Wenn KI sinnvoll in bestehende CMS integriert wird, klar definierte Aufgaben übernimmt und bewusst im Hintergrund bleibt, entsteht ein tragfähiges Setup. Die Verantwortung für Inhalte, Marke und Relevanz bleibt im Unternehmen – genau dort, wo sie im B2B-Marketing hingehört. 

Autor:in

Andy

Entwicklung