Ein Website-Relaunch wird schnell zum unkontrollierbaren Großprojekt, wenn Ziele, Rollen und Scope nicht früh geklärt sind – unabhängig davon, ob ihr auf TYPO3, Drupal oder einem anderen CMS aufbaut.
Dieser Artikel zeigt, welche Fragen vor Projektstart beantwortet sein sollten, wie eine realistische Roadmap entsteht und warum sauberes Projektmanagement die beste Versicherung gegen teure Fehlentwicklungen ist.
Relaunch als Business-Projekt, nicht als Design-Update
„Die Website muss mal wieder moderner aussehen“ ist kein Projektziel. Es ist eine Stimmung.
Stimmungen lassen sich nicht priorisieren, nicht messen und nicht abschließen. Trotzdem starten viele Relaunch-Vorhaben genau so: mit einem diffusen Veränderungswunsch, der sich im Projektverlauf in immer neue Anforderungen aufsplittert. Ein Relaunch wird dann steuerbar, wenn konkrete Business-Ziele dahinterstehen:
Soll die Website Leads generieren?
Den Vertrieb entlasten?
Produkte international sichtbar machen?
Das Recruiting unterstützen?
Praxis-Tipp: Macht die Erwartungen unterschiedlicher Abteilungen (Vertrieb, Marketing, IT) frühzeitig sichtbar. Ein kurzes Zielbild von ein bis zwei Seiten, das alle Beteiligten kennen, schafft einen Rahmen, der über Monate trägt.
Struktur vor Aktionismus: Rollen und Entscheidungswege klären
Bevor die erste Seite konzipiert wird, braucht ein Relaunch-Projekt klare Verantwortlichkeiten. In der Praxis scheitern Projekte regelmäßig daran, dass niemand verbindlich entscheiden darf.
Warum das Marketing Entscheidungsbefugnis braucht
Marketingverantwortliche vermitteln zwischen Geschäftsinteressen, Marke, Content und IT. Damit das funktioniert, braucht diese Rolle echte Entscheidungsbefugnis, nicht nur eine koordinierende Funktion. Ohne sie entstehen Endlosschleifen, weil jede Detailfrage nach oben eskaliert wird.
Die Trennung ist entscheidend:
Lenkungskreis (Strategisch): Plattformwahl (TYPO3, Drupal etc.), Budgetrahmen, Zielmärkte.
Kernteam (Operativ): Seitentypen, Komponenten und Detailfunktionen.
Scope und Roadmap: Was gehört in den ersten Go-Live?
Der häufigste Fehler: Alles auf einmal lösen wollen (PIM, CRM, alle Sprachen, Personalisierung). Das führt fast immer zu Verzögerungen. Der bessere Ansatz ist eine bewusste Trennung zwischen dem, was für einen ersten sinnvollen Go-Live zwingend ist, und dem, was in späteren Ausbaustufen folgt.
Schnellcheck: Die 5-Fragen-Checkliste für neue Anforderungen
Bevor eine Anforderung in den ersten Release rutscht, muss sie diesen Check bestehen:
Ergebnis: Jede Anforderung, die bei Frage 1 und 2 kein klares „Ja“ bekommt, gehört auf die Roadmap für Phase 2, nicht in den ersten Go-Live.
Abhängigkeiten und SEO-Risiken aktiv managen
Saubere Planung ist Risikoabsicherung. Die größten Probleme liegen oft in Abhängigkeiten, die niemand früh genug geklärt hat.
Technische Schnittstellen: CRM, PIM oder Marketing Automation müssen definiert sein, bevor die Entwicklung beginnt.
Der Content-Flaschenhals: Texte, Bilder und Übersetzungen sind oft der eigentliche kritische Pfad. Wer hierfür keine Ressourcen zuteilt, verliert Wochen.
SEO-Sicherung: Ein Redirect-Konzept und eine durchdachte Informationsarchitektur sind keine Extras. Wer hier spart, riskiert massive Sichtbarkeitsverluste nach dem Go-Live.
Fazit: Der Go-Live ist erst der Anfang
Ein Website-Relaunch scheitert selten an Technik, sondern an fehlender Klarheit über Ziele und Rollen. Wer den Relaunch als Startpunkt begreift, statt als einmaliges Großprojekt, baut eine Website, die mit dem Unternehmen mitwachsen kann.
Erfolgreiche Websites werden nach dem Launch als laufendes Digitalprodukt geführt – mit festem Budget und regelmäßigen Release-Zyklen, egal ob auf TYPO3 oder Drupal.