Alle Beiträge von Judith Böhm

Abi '99, Grafik-Design Studium, Texterschmiede, Medienmanagement Studium, 2006 Diplomarbeit über Virusmarketing, Werbetexter, Konzepter, Web 2.0 Spezialist, Denker, seit Juni 2009 selbständiger Sympatexter.

Breuninger im neuen Online-Gewand

Auf einige Projekte sind wir ganz besonders stolz. Wie jetzt, nach 4 Monaten Realisationszeit, auf den Relaunch der Corporate Website von Breuninger. Damit durften wir nach acht Jahren Zusammenarbeit dem digitalen Aushängeschild der Stuttgarter Mode-Institution ein neues Digitaloutfit schneidern.

Relaunch Corporate Website Breuninger 2011 (Screenshot)

Ziel war es, den exklusiven Charakter der Marke Breuninger auch ins Web zu übertragen. Unser Anspruch: Die Seite sollte modern und zugleich zeitlos sein. Wir wollten vieles vereinfachen und die Seite mit Stil und Fingerspitzengefühl auf ein neues Niveau heben. Das Ergebnis: Eine Seite mit neuer Navigation, Bildsprache und Anmutung, die sich mehr an internationalen Modemarken aus dem Luxussegment orientiert als an klassischen Warenhäusern. Fly-Out-Animationen, viel Weißraum und großformatige Bilder zeigen schon beim ersten Klick, was einen bei Breuninger vor Ort erwartet: Edle Mode in einem edlen Ambiente.

Neu auf der Website ist die Rubrik „Events“, der Pressebereich wurde deutlich vergrößert und der Bereich „Historie“ zur Feier des 130. komplett runderneuert.

Jetzt ist die Seite online und gemeinsam mit Breuninger freuen wir uns, pünktlich zum 130. Unternehmensjubiläum, über den neuen, gelungenen Auftritt.

Facebook hat mein Twitter aufgefressen

Seit einiger Zeit bemerke ich eine Verlagerung meiner Online-Aktivitäten. Ich nutze immer mehr den Google-Dienst Picasa statt Flickr, weil man bei Picasa ganze Fotoalben runterladen kann. Wie oft habe ich mich schon darüber aufgeregt, dass mir Freunde einen Flickr-Link zu einem privaten Album schicken und ich diese Bilder dann nicht in einem Rutsch runterladen kann. Und, was ich am Anfang für unmöglich gehalten hätte: ich kommuniziere mittlerweile viel mehr über Facebook als per Twitter. Anfangs war ich Facebook gegenüber extrem skeptisch eingestellt und habe mich dort nur angemeldet, weil ich das irgendwie für meinen Job brauchte. Ich war ein großer Fan von Twitter: Das einfache Prinzip, das aufgeräumte Userface und der schnuckelige Fail-Whale sind einfach unschlagbar.

Aber.

Kann sich noch jemand an die Zeiten erinnern, in denen es die Tweets aufs Handy gab? Dieser defizitäre Dienst ist schon lange eingestellt, die Begrenzung auf SMS-kompatible 140 Zeichen ist aber immer noch der Kerngedanke von Twitter. Das hat Twitter erst zu etwas Besonderem gemacht und der Kreativität mancher User Flügel verliehen – es ist schon faszinierend, welche Geschichten und Anekdoten man mit solch wenigen Zeichen erzählen kann. Aber diese Begrenzung kann auch negativ sein. Während bei Twitter der Fokus auf Text liegt und man nur über Umwege Bilder posten kann (z.B. mit Twitpic), ist das bei Facebook alles problemlos möglich – jenseits von 140 Zeichen. Inklusive der Möglichkeit, Diskussionen mit mehreren Teilnehmern zu führen – was bei Twitter kaum bzw. gar nicht möglich ist. Wer schon mal versucht hat, bei Twitter einer Diskussion zweier Teilnehmer zu folgen, weiß wovon ich rede.

Facebook vs. Twitter

Ich persönlich habe das Gefühl, dass bei Twitter einfach kaum noch was geht. Twitter-Mittagessen sind rarer geworden, genauso wie die Twitterlesungen und andere direkt mit Twitter verbundenen Aktivitäten. Wenn einer meiner Freunde seine Twitter-Nachrichten auch bei Facebook einspeist, kommentiere ich sie nur noch bei Facebook. Der Dienst scheint seinen Zenit seit einigen Monaten überschritten zu haben – das sagen auch die Wachstumszahlen: Nach einem explosionsartigen Wachstum ist Twitter nun in der Stagnation angekommen. Und wenn sich meine Kommunikation von Twitter zu Facebook verlagert hat, passiert das Gleiche vielleicht auch bei einigen Millionen anderer User. Mittlerweile fällt es mir zunehmend schwerer, den Vorteil von Twitter zu verargumentieren. Auch wenn Kunden meinen, sie bräuchten unbedingt ein Twitter-Profil bin ich sehr skeptisch. Es kann für bestimmte Nutzungsarten noch sinnvoll sein. Aber insgesamt kommt mir Twitter vor, wie ein sinkendes Schiff – was den Nutzen für Marketingkommunikation angeht.

Wenn ich heute als Unternehmen zwischen Twitter, einem Blog und Facebook wählen müsste – ich würde mich ganz deutlich für Facebook entscheiden. Warum?

Facebook vs. Blog: Es ist so viel einfacher, einen Beitrag bei Facebook zu posten, als einen Blogartikel zu schreiben. Bei Blogs gilt es, sich ein Thema zu suchen, es zu recherchieren und darüber zu schreiben. Bei Facebook kann man auch kurze Häppchen veröffentlichen, z.B. ein Bild mit einem kurzen Text. Was eben gerade anfällt. Ohne den hohen Anspruch wie an einen Blogartikel. Zudem muss man sich bei Facebook kaum um die Technik kümmern.

Facebook vs. Twitter: Bei Facebook kann ich nicht nur Texte schreiben, sondern auch Videos und Bilder posten. Zudem gibt es bei Facebook mehr Engagement der User. Das liegt zum einen daran, dass Facebook sehr viel mehr User hat als Twitter und zum anderen daran, dass es einfacher ist, einen „Gefällt mir“-Button zu klicken, als eine Antwort per Twitter zu schreiben.

Facebook bietet derzeit einfach sehr viele Vorteile: Links werden gleich mit Anriss und Bild gepostet, man kann Videos online stellen, kommentieren usw. Diskussionen mit mehreren Teilnehmern sind möglich und auch später ist es einfach, Diskussionen nachzuvollziehen. Die Facebook-Apps sind eine riesige Spielwiese mit großem Potential. Die Nutzerzahl ist mit einer halben Milliarde extrem groß und die tägliche Verweildauer der User ist relativ hoch.

Klar ist, dass, so unvorstellbar es heute anmuten mag, auch Facebook irgendwann von einem anderen Player auf dem Markt überholt wird. Oder dass sich das Zeitalter der Social Networks womöglich irgendwann dem Ende entgegen neigt. Aber dann bin ich hoffentlich schon auf den nächsten Online-Dampfer aufgesprungen und rate Kunden dann von einem Engagement bei Facebook ab.

Facebook Places weiß, wann du wo mit wem warst

Die Lokalisierungsdienste Gowalla und Foursquare bekommen Zuwachs. Oder – je nach Sichtweise – Konkurrenz: Facebook hat heute den neuen Dienst Facebook Places offiziell verkündet.

Bisher galten Lokalisierungsdienste eher als Randerscheinung: Zwar interessant und voller Potential, aber bisher noch nicht massentauglich. Das wird sich ab heute vermutlich ändern, denn auf einen Schlag werden eine halbe Milliarde Facebook-User an diesen Dienst herangeführt.

Mit Facebook Places kann man also, ganz wie mit Gowalla und Foursquare (die u.a. die ersten Kooperationspartner sind), bei Läden, Clubs und Bars einchecken – aber nicht nur das, sondern man kann auch seine Freunde irgendwo „taggen“, und sie damit in einem Ort einchecken.

Dies kann nützlich und lustig sein. Oder zum sozialen Verhängnis werden, so wie es Gawker.com beschreibt: „You are at the bar when you are supposed to be at your girlfriend’s crappy art show. Your chat with your friend Jane, who checks into the bar and tags you: „At this awesome bar, just talked to [Your name here] about his Star Wars memorabilia collection!“ Your girlfriend sees this on Jane’s wall, walks over to the bar and dumps you on the spot.“

Ganz abgesehen von der Diskussion über Sinn oder Unsinn solcher Lokalisierungsdienste, die jetzt wohl hochkochen wird, wird ein anderes Thema bestimmt auch ganz oben auf der Agenda der nächsten Wochen stehen: Datenschutz.

Denn was kommt auf die User zu, wenn andere User einen Freund einfach ohne sein Zutun oder Veto in einem Ort einchecken lassen können? Auf Spiegel Online wurden erste Tests vorgenommen. Und klar ist erst einmal, dass alles unklar ist.

Datenschutz ist des Deutschen liebstes Thema. Gerade steht Google mit Street View im Fadenkreuz der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner und dann kommt Facebook mit einem wohl viel heikleren Dienst angestürmt. Man wird sehen, wie (und wann?) sich die Politik Geo-Dienste mal zur Brust nimmt oder ob es zur Gewohnheit der Politik wird, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden und sich hilflos davor zu winden.

Des einen Sack Reis ist des anderen Blumenkübel

Irgendwo in Deutschland ist ein Blumenkübel umgeworfen worden.

Dieses relativ banale Geschehen landet im Online-Lokalteil der Münsterschen Zeitung und löst eine Internetwelle aus. Der hauseigene Redakteur Ralf Heimann bringt den Stein ins Rollen, als er Mittwochabend via Twitter schreibt: „In Neuenkirchen ist ein Blumenkübel umgefallen.“

Ohne es zu ahnen, wird sein kurzer Twitter-Beitrag in Windeseile aufgegriffen, viral weiterverbreitet, durch den Kakao gezogen und für kurze Zeit zum Deutschen Online-Sommerstar:

Was ist so interessant an diesem Artikel? Wenn man nicht gerade Einwohner des Antonius-Stifts in Neuenkirchen ist, wohl nichts. Dennoch ist der Werdegang dieses Zeitungsartikels bemerkenswert. Wie und warum scheinbare Banalitäten solche Berühmtheit erlangen, ist selbst im Nachhinein schwer zu klären. Planbar ist es schon gar nicht. Dafür haben Zufall, Glück und Timing viel zu sehr ihre Finger im Spiel. Apropos Timing:

Die Zeit war wohl reif für eine steile Karriere einer derart banalen Nachricht. Denn derzeit wird heftig über ein Leistungsschutzrecht „zur Verbesserung des Schutzes von Presseerzeugnissen im Internet“ debattiert, die Verlage per Gesetz festschreiben lassen möchten. Internetnutzer müssten demnach eine Pauschalabgabe zahlen, um die Erstellung von Qualitätsjournalismus zu finanzieren. Da muss man sich als kritischer Medienkonsument, zu denen viele Twitterer gehören, fragen: Was ist eigentlich Qualitätsjournalismus? Also, wofür genau soll man bitte diese Gebühr bezahlen? Für Nachrichten über zerstörte Blumenkübel?

Ebenfalls interessant ist, dass diese Nachricht gerade in Zeiten einen Twittersturm entfacht, da das Prinzip einer anderen Zwangsabgabe, nämlich der GEZ in arge Erklärungsnot gerät und sich die Öffentlich Rechtlichen Sender die Frage gefallen lassen müssen, warum eine informationelle Grundversorgung so… nun ja… langweilig und oftmals banal sein muss. Das Gutachten von Paul Kirchhoff, das ab 2013 eine allgemeine GEZ-Haushaltspauschale vorsieht, lässt bei vielen den Unmut über die Zwangsabgabe indessen stetig wachsen. Während sich also die klassische GEZ langsam dem gefühlten Ende seines Lebenszyklus nähert, entdecken Verlage ein ähnliches Prinzip für sich, um sich für die Zukunft zu wappnen.

Womöglich steckt also hinter der Geschichte mit dem Blumenkübel mehr als nur die Freude über eine banale Nachricht. Bei einigen Mitgliedern der Internetgemeinde gesellte sich neben dem Spaß, die Nachricht zu variieren und durch den Kakao zu ziehen, vielleicht auch ein kleiner Protest im Deckmantel der Ironie hinzu gegen die oft hehren Qualitäts- und Versorgungsansprüche deutscher Verlage.

Der Gefällt-mir-Button der nicht jedem gefällt

Nicht jeder kann sich mit dem Gefällt-Mir-Button von Facebook anfreunden. Vor zwei Wochen haben wir noch über die Vorteile des Gefällt-Mir-Buttons berichtet – jetzt gibt es bereits die ersten Webseiten, die sich von diesem Tool wieder verabschieden:

Der Grund: Mangelnder Datenschutz. Facebook ringt bekanntermaßen schon seit einiger Zeit mit diesem Thema. Mal finden User den sehr gut versteckten Link nicht, um ihr Facebook-Profil zu löschen. Ein anderes Mal geraten die Datenschützer in Wallung weil es keine Möglichkeit gibt, einmal hochgeladene Telefonnummern und andere private Daten seiner Kontakte wieder zu löschen.

In dem aktuellen Fall stören sich die Betreiber von hamburg.de daran, dass der Gefällt-Mir-Button dank iframe oder Javascript auch Daten von Leuten sammelt, die gar nicht bei Facebook angemeldet bzw. eingeloggt sind: „Bei aller Freude aber, entschieden wir am 17. Juni 2010 dennoch, die Funktion wieder zu entfernen. Der Schutz der persönlichen Daten unserer Besucherinnen und Besucher ist uns nicht nur eine juristische Pflicht (manch einer würde sagen “Last”), sondern liegt uns tatsächlich am Herzen.“

So könnten z.B. detailliert Daten über das Surfverhalten der Besucher von Seiten mit dem Facebook Gefällt-mir-Button gesammelt und entsprechende IP-Adressen verarbeitet werden ohne dass diese anonymisiert werden. Wohlgemerkt: Könnten. Denn Facebook legt nicht offen, inwieweit Nutzerdaten konkret verarbeitet und gespeichert werden. Diese mangelnde Transparenz und Unsicherheit ist mehr als nur ein bisschen ärgerlich – es verstößt gegen die deutschen Datenschutzgesetze oder bewegt sich zumindest in einem nicht reglementierten Graubereich.

Die Betreiber von hamburg.de stehen mit Facebook in Kontakt und hoffen auf eine datenschutzkonforme Lösung. Wir sind ebenfalls gespannt, ob Facebook diese Sache in den Griff bekommt und die junge Idee des Gefällt-mir-Buttons gerade durch solche „Reibereien“ verbessert wird und sowohl an Akzeptanz als auch Auftrieb gewinnt.